Wirtschaft und Politik diskutieren berufliche Bildung

29.01.2013

v.l.n.r.: Dr. Volker Treier (DIHK), Eric Spiegel (Siemens), Dr. Rebecca Blank, Botschafter Dr. Peter Ammon (© Z. Garcia for Germany.info)

Vertreter von deutschen Unternehmen in den USA, aus der amerikanischen Bundes- und Bundesstaatenpolitik, vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag sowie von Community Colleges und aus der Wissenschaft tauschten sich am 29. Januar in der Residenz des deutschen Botschafters in Washington, Dr. Peter Ammon, über berufliche Bildung aus. Die Diskussion über The Skills Initiative: The Crucial Role of Workforce Development for Jobs and Growth in the United States and Germany konzentrierte sich auf die Vorteile des deutschen dualen Ausbildungssystems und das Bedürfnis für ein vergleichbares System in den Vereinigten Staaten. Immer mehr Niederlassungen deutscher Unternehmen beginnen derzeit eigene Ausbildungsprojekte in Zusammenarbeit mit lokalen Community Colleges, um dem Fachkräftemangel in den USA entgegenzutreten.

Die Impulsrede hielt die amtierende Handelsministerin, Dr. Rebecca Blank, die betonte, die USA wollten von den Ideen und Praktiken der Deutschen lernen und ihre Hilfe im Rahmen der Skills Initiative anbot. Dr. Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Bereichs International beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin, erläuterte die Vorteile des dualen Systems: Deutschland habe mit etwa 8 % eine relativ niedrige Jugendarbeitslosigkeit, außerdem erhöhe ein Ausbildungsabschluss die große Wahrscheinlichkeit, eine Festanstellung zu erhalten, stark. Treier nahm sodann auf die Aufgaben der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Rahmen des dualen Systems Bezug, die die Ausbildung in den Unternehmen beaufsichtigen sowie die Ausbildereignungsprüfungen für die Ausbilder und die Zwischen- und Abschlussprüfungen für die Auszubildenden abnehmen. Er bezeichnete die Zusammenarbeit zwischen Kammern und Unternehmen als erfolgreiches Public-Private Partnership.

Eric Spiegel, der Vorstandsvorsitzende von Siemens Corp. bezeichnete den Fachkräftemangel als real und berichtete, der Business Roundtable, eine Vereinigung von Geschäftsführern und Vorstandsvorsitzenden führender US-Unternehmen, habe 100.000 offene Stellen in 200 Unternehmen identifiziert. Mit dem zu erwartenden Aufschwung des produzierenden Gewerbes werde diese Zahl noch wachsen, so Spiegel. Er forderte, eine Klima der Anerkennung für berufliche Bildungsabschlüsse zu schaffen. Der Geschäftsführer von Zentis Food Solutions, Norbert Weichele, ergänzte, der Fachkräftemangel sei seit der Eröffnung vor sechs Jahren das Hauptproblem am Zentis-Standort in Indiana – trotz einer Arbeitslosenquote zwischen 8 und 10 %. Weichele selbst hat eine Banklehre abgeschlossen und hat die Ausbildungszeit wegen der praktischen und bodenständigen Bildungsinhalte nie bereut. Der Präsident des Central Piedmont Community College in Charlotte, NC, Dr. Tony Zeiss, ergänzte den Austausch mit seinen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Siemens sowie der IHK Karlsruhe. Er habe das deutsche Modell vor 15 Jahren adaptiert und will nun zum führenden College für Fachkräfteentwicklung werden. Schließlich wies Professor Robert Lerman von der American University darauf hin, dass ein Mentalitätswandel in der Gesellschaft nötig sei, um mehr Jugendliche für berufliche Ausbildung zu gewinnen. Junge Leute müssten stolz auf einen beruflichen Abschluss sein dürfen, die USA dürften sich nicht ausschließlich auf die universitäre Schiene ausrichten.