Mehr Zusammenarbeit bringt Wachstum in Europa und den USA

29.01.2013

v.l.n.r.: Dr. Thomas Zielke, Dr. Adam Posen, Dr. Volker Treier, Dan Hamilton, Hiddo Houben

Das deutsch-amerikanische Verhältnis sei kein Konkurrenzverhältnis, je besser es Deutschland gehe, desto besser gehe es den USA und desto besser arbeiteten beide zusammen – so Dr. Adam Posen, Direktor des Peterson Institute for International Economics beim RGIT Business Breakfast am 29. Januar in Washington. Zum Thema Creating Value after an Economic Downturn: New Perspectives for Doing Business in Germany, Europe and the U.S. diskutierten neben Posen der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK, Dr. Volker Treier, der Leiter des Center for Transatlantic Relations an der Johns Hopkins University, Prof. Dan Hamilton, und der Chef der Handelsabteilung der EU-Delegation, Hiddo Houben. Die Veranstaltung wurde von Dr. Thomas Zielke, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Washington, moderiert.

Volker Treier legte anhand des Economist dar, wie sich die Wahrnehmung der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren verschoben hat: Aus dem sick man of Europe von 2005 wurde 2010 Europe’s engine, gefolgt von der Frage, was Deutschlands Wirtschaftsmodell der Welt zu bieten habe (2012). „Die gute Stimmung in der Wirtschaft ist zurück“, so Treier, der drei Gründe für diese positive Entwicklung nannte: die strukturellen Verbesserungen aus der Agenda 2010 der Schröder-Ära, der Internationalisierungsprozess sowie der funktionierende EU-Binnenmarkt. Die deutschen Unternehmen hätten ihre Mutterhäuser in Deutschland nie aufgegeben, sondern lediglich Teile der Produktion in andere Mitgliedstaaten verlagert. Auch die Eurozone sei mit der besseren wirtschaftlichen Koordinierung auf einem guten Weg. Nicht ganz so optimistisch gaben sich die beiden Amerikaner auf dem Podium. Adam Posen prognostizierte ein schwaches Jahr 2013 für Deutschland und Europa und zweifelte daran, dass die Reformen sich unmittelbar bemerkbar machen würden. Dan Hamilton hob auf die tiefen Verflechtungen zwischen Handel und Investitionen ab und forderte, Europa müsse sich in Bezug auf Investitionsströme neu positionieren. Er konzedierte allerdings auch, dass die Amerikaner immer große Probleme in Europa sähen, während aus Sicht der Europäer die Schwierigkeiten in den USA lägen. Beide Wirtschaftsräume müssten sich neu aufstellen und zusammenarbeiten.

Zu einem möglichen transatlantischen Handelsabkommen zwischen Europa und den USA äußerte sich Hiddo Houben: Da zwei starke, in multilateralen Abkommen erfahrene Akteure aufeinander träfen, müssten die Ergebnisse über existierende Abkommen und reine Zollfragen hinausgehen. Die Bereiche, in denen viel Handel und Investitionen zu erwarten sind, wie etwa die Chemikalien- und die Pharmabranche, seien bereits identifiziert worden. Einige Regulierungsbereiche seien leichter und dadurch auch schneller zu bearbeiten als andere. Mögliche Verhandlungen sollten den Ansatz eines „lebenden Abkommens“ verfolgen. Houben vermutete, dass der Endbericht der High Level Working Group innerhalb einiger Wochen verfügbar sein werde.